Tippspiel unmöglich! – Underdogs überrollen die WM
Vier Unentschieden an einem Tag! Dabei war die Favoritenrolle in drei Partien klar definiert. Spanien, Belgien und Uruguay sind nach 16 Spielen nicht die ersten Nationen, die gegen einen vermeintlich unterlegenen Gegner patzen.
Dass jemand alle bisherigen 16 WM-Partien richtig getippt hat, ist nahezu unmöglich. Allein die Hälfte der Spiele endete unentschieden, fünf davon 1:1. Dass Brasilien gegen Marokko oder Kanada gegen Bosnien nicht gewinnen würde, war zwar im Vorhinein unwahrscheinlich, aber nicht völlig undenkbar. Dass die Niederlande als Titelkandidat gegen Japan nur 2:2 spielen würden, hätten vor dem Spiel ebenfalls nur wenige erwartet. Dass Spanien, Belgien und Uruguay jedoch ebenfalls nicht über ein Unentschieden hinauskommen und die Türkei sogar 0:2 gegen Australien verliert, hätte wirklich niemand gedacht. Diese WM ist unberechenbar – und sie wird noch einige Überraschungen mit sich bringen!
Es ist schon wirklich bemerkenswert, wie die Dinge bisher gelaufen sind. Gerade habe ich angesprochen, wie viele Teams ihrer Favoritenrolle nicht gerecht werden konnten. Das komplette Gegenteil sind hingegen Nationen, denen vor der WM aufgrund schwacher Leistungen im vergangenen Jahr kaum etwas zugetraut wurde. Gastgeber USA und Schweden gehen hier voran – beiden gelang zum Auftakt ein Kantersieg mit einer starken Mannschaftsleistung.
Die Frage ist: Was ist die Ursache für all diese Überraschungen? Liegt es an Überheblichkeit, fehlender Leidenschaft oder schlechter Chancenverwertung? Ich gebe euch meine Meinung!
Dass man bei einer Weltmeisterschaft von fehlender Leidenschaft sprechen kann, ist fast undenkbar. Jeder Spieler jeder Nation geht mit voller Motivation in jedes Spiel, um sein Land stolz zu machen. Die entscheidende Frage ist: Wie unterscheidet sich diese Motivation? Nehmen wir als Beispiel das sicherlich überraschendste Ergebnis dieser WM – Spanien gegen Neuling Kap Verde. Beide Teams gehen motiviert in die Partie, aber mit völlig unterschiedlichen Erwartungen. Als Europameister konnte Spanien in diesem Spiel nur verlieren: Bei einem Sieg hätten sie lediglich ihre Pflicht erfüllt, mehr aber auch nicht. Kap Verde hingegen, das zum ersten Mal an einer WM teilnimmt, hatte nichts zu verlieren – ihnen hatte sowieso niemand etwas zugetraut.
Dass Spaniens Mittelstürmer Mikel Oyarzabal in der 31. Spielminute seinen ersten Ballkontakt verzeichnete, beweist, dass die Spanier ihren Gegner schlicht nicht ernst genommen haben. Die Spannung und der Wille, die die afrikanische Inselgruppe rund um ihren 40-jährigen Torhüter Vozinha ausgezeichnet haben, fehlten im spanischen Spiel vollständig – und ließen die Iberer zunehmend verzweifeln.
Überheblichkeit allein erklärt jedoch nicht alle Ergebnisse. In den anderen Spielen war für mich die Effizienz vor dem Tor der entscheidende Faktor. Katar und Saudi-Arabien reichten jeweils drei Schüsse aufs gegnerische Tor, um mit einem Unentschieden davonzukommen. Die Schweiz und Uruguay scheiterten derweil oftmals an überragenden Torhütern. Auch die Leistung von Australiens Keeper Patrick Beach war maßgeblich entscheidend für den Sieg über die Türkei.
Ob sich diese Überraschungswelle über die kommenden WM-Spiele fortsetzt, bleibt abzuwarten. Für alle auf dem Papier klaren Favoriten sollte jedoch gelten: Keinen Gegner unterschätzen, immer 100 Prozent geben – und vor allem die Torchancen konsequenter nutzen.
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