Überraschungen, Blamagen und ein marokkanisches Supertalent – erste Erkenntnisse der WM

Die WM 2026 ist in vollem Gange, und spätestens nach Tag 3 ist jedem bewusst, wie unberechenbar die Spiele sind. Die Schweiz lässt Punkte gegen Katar liegen, Australien gewinnt gegen die Türkei, und die USA überrollen Paraguay.


Das sind die ersten Erkenntnisse der Fußball-Weltmeisterschaft 2026!



Dass die größte WM aller Zeiten nach drei Tagen schon für ordentlich Gesprächsstoff sorgt, liegt nicht an der Attraktivität der Spiele. Gerade einmal in zwei der acht ausgetragenen Partien sind mehr als zwei Tore gefallen. Hinzu kommen die Anstoßzeiten: Kaum ein deutscher Fußballfan bleibt bis 3 Uhr nachts wach, um ein zähes 1:0 zwischen Schottland und Haiti zu sehen.
Die Schlagzeilen machen stattdessen die Underdogs! Wer im Tippspiel durchweg auf die klassischen Favoriten gesetzt hat, konnte bisher kaum Punkte sammeln.

Spätestens nach dem glanzvollen 4:1-Sieg der USA über Paraguay sollte jedem klar gewesen sein: Hier kann alles passieren! Auch wenn die Amerikaner Gastgeber sind, waren sie für viele vor dem Spiel nicht unbedingt der Favorit. Nach Abpfiff der ersten Halbzeit änderte sich das jedoch schlagartig. Die Offensive rund um Pulisic, McKennie und Doppeltorschütze Balogun brillierte und zeigte, dass die USA ein ernst zu nehmender Gegner sind, der vor heimischem Publikum weit kommen will.

Am dritten Tag kam es dann zur ersten Überraschung, mit der in Europa wirklich niemand gerechnet hatte: Hamburgs Miro Muheim besiegelte in der vierten Minute der Nachspielzeit mit einem Eigentor das 1:1 für Katar gegen die Schweiz. Die Schweiz galt für einige als Geheimfavorit, Katar als Teilnehmer ohne die geringste Chance – und um ehrlich zu sein, ist das Unentschieden nicht unverdient. Klar war die Schweiz über 90 Minuten die dominantere Mannschaft, doch echte Großchancen erspielte sie sich nur wenige. Die Blamage hat erneut unterstrichen, dass jede Nation ernst genommen werden muss, egal wie die Quoten stehen.



Das fußballerisch beste Spiel war bislang das 1:1 zwischen Brasilien und Marokko. Die Partie hat dabei gleich mehrere Erkenntnisse hervorgebracht. Einerseits, dass Brasilien mit dieser Mannschaft kein Titelkandidat ist. Die größte Schwachstelle der Seleção ist die Außenverteidigerposition, die nicht mehr mit Namen wie Marcelo oder Dani Alves besetzt ist, sondern mit Ex-Hamburger Douglas Santos und Roger Ibañez. Zudem fehlen der Flair, die Skills und das Joga Bonito, für das Brasilien einst bekannt war. Der Rekordweltmeister muss sich daher auf Einzelaktionen von Vinícius Júnior oder Raphinha verlassen, um bei dieser WM eine Rolle zu spielen.
Marokko hingegen hat wieder einmal ein sehr gutes WM-Spiel abgeliefert. Besonders in der ersten halben Stunde dominierten sie Brasilien. Mit Hakimi, Brahim Díaz oder Saibari könnten sie es genauso wie 2022 wieder weit bringen. Der Man of the Match war jedoch der 18-jährige Ayyoub Bouaddi von OSC Lille. Mit einer überragenden Passquote und starkem Zweikampfverhalten lieferte er die bislang beste Einzelleistung der laufenden Weltmeisterschaft ab – und wird zweifellos schon bald das Trikot eines Spitzenklubs tragen.

Die größte Überraschung folgte jedoch am Sonntagmorgen kurz vor 8 Uhr, als Australien tatsächlich 2:0 gegen die Türkei gewann. Die Türken, die seit 24 Jahren nicht mehr an einer WM teilgenommen haben, gelten besonders im eigenen Land als Geheimfavorit mit einer goldenen Generation. Mit Spielern wie Arda Güler oder Hakan Çalhanoğlu und einer soliden Kaderbreite ist das durchaus nachvollziehbar. Eingeleitet wurde die Blamage vom 20-jährigen Talent Nestory Irankunda, der vor einem Jahr noch bei Bayer Leverkusen II in der Regionalliga spielte, da er sich bei den Profis nicht durchsetzen konnte. Mit einer tollen Einzelaktion schob er in der 27. Minute zum 1:0 ein. In der zweiten Hälfte stellte St.-Pauli-Spieler Connor Metcalfe, der in 35 Bundesligaspielen kein einziges Tor erzielt hat, sogar noch auf 2:0 für die Socceroos. Gegen die starken USA und das weiterhin nicht zu unterschätzende Paraguay muss die Türkei nun zusehen, wie sie es überhaupt noch aus der Gruppe schafft.



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