Was ist aus dem Joga Bonito geworden?
Zu den Top-Favoriten der WM 2026 hat Brasilien nicht gezählt. Dass die Seleção es nur bis ins Achtelfinale schaffte, kam trotzdem überraschend. Die 2:1-Niederlage gegen Norwegen hat bestätigt, dass die brasilianische Nationalmannschaft schon lange nicht mehr das ist, was sie mal war.
Ein Kommentar zum Brasilien-Aus.
Die Skills, der Flair, das Joga Bonito. Über Jahrzehnte hinweg hat die einzigartige Spielweise der brasilianischen Nationalmannschaft bei jeder Weltmeisterschaft Millionen von Zuschauern begeistert. Ronaldo, Ronaldinho, Rivaldo, Kaká, Roberto Carlos, Cafu … – die Anzahl an Weltstars war unendlich. Übrig geblieben sind davon heute nur noch Bruchteile. Seit dem letzten WM-Sieg 2002 ist die Anzahl an Top-Stars bei der Seleção kontinuierlich gesunken. Dies führte so weit, dass Brasilien bei der WM 2026 nicht einmal mehr zu den Titelfavoriten gehörte und nun zum ersten Mal seit 1990 im Achtelfinale ausgeschieden ist.
Natürlich hat der Rekordweltmeister mit Marquinhos und Gabriel immer noch eine überragende Innenverteidigung und mit Vinícius und Raphinha zwei Ballon-d’Or-Kandidaten in der Offensive. Neymar war auch dabei, der Hoffnungsträger der Nation ist er jedoch schon lange nicht mehr. Die restlichen Positionen sind allerdings nur noch mit Spielern aus durchschnittlichen Premier-League-Clubs besetzt und nicht mehr mit Champions-League-Finalisten. Am offensichtlichsten zeigt dies die Außenverteidigung. 2002 hatte man Roberto Carlos und Cafu. 2014 Marcelo und Dani Alves. Heute heißen sie Douglas Santos und Danilo. Santos ist zwar in Deutschland ein Begriff, aber auch nur weil er 2018 mit dem HSV abgestiegen ist. Danilo war mal ein sehr guter Rechtsverteidiger, ist aber mit 34 nicht mehr der Jüngste. Das Mittelfeld und der Sturm haben ebenfalls ihre Probleme, und so zieht es sich durch den gesamten Kader.
Wenn man sich die Spiele der Südamerikaner bei der WM 2026 angeschaut hat, hat man spielerisch kaum einen Unterschied zu den Gegnern mehr gesehen. Beim 1:1 im ersten Gruppenspiel gegen Marokko war Saibari der Einzige auf dem Feld, der das ein oder andere Mal in die Trickkiste gegriffen hat – und der ist Marokkaner.
Gegen Haiti und Schottland trug Vinícius Junior seine Mannschaft zu zwei souveränen Siegen – diese Gegner waren jedoch kein Maßstab.
Im Sechzehntelfinale gegen Japan wurde es dann das erste Mal kritisch. Nach Rückstand konnte die Seleção das Spiel in der Nachspielzeit gerade noch so für sich entscheiden.
Im Achtelfinale gegen Geheimfavorit Norwegen zog Erling Haaland dann endgültig den Schlussstrich und schickte die Brasilianer mit einem Doppelpack nach Hause. Neymars Anschlusstreffer in der Nachspielzeit brachte daher nichts mehr, außer dem letzten Länderspieltor des „Last Joga Bonito”, der nach dem Spiel seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgab. Mit Neymar stirbt nun der letzte aktive Brasilianer aus, der durch seinen trickreichen Flair und seine außergewöhnliche Spielweise die Seleção automatisch zu einem Titelkandidaten machte.
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