Wer ist WM-Geheimfavorit?
2014 war es Kolumbien, 2018 Kroatien und 2022 Marokko. Bei fast jeder Weltmeisterschaft gibt es eine Nation, die vor dem Turnier nicht zu den großen Favoriten zählt, am Ende jedoch überraschend weit kommt.
Auch bei der bislang größten Weltmeisterschaft der Fußballgeschichte mit erstmals 48 Teilnehmern gibt es einige Nationen, die nicht zu den Top-Favoriten wie Frankreich, Spanien, Portugal oder Argentinien gehören, jedoch durchaus für Überraschungen sorgen könnten.
Hier kommen meine fünf Geheimfavoriten für die WM 2026!
5. Mexiko
Von den drei Austragungsländern der WM 2026 ist Mexiko mit Abstand das Land mit der größten Fußballbegeisterung. Während in den USA und Kanada American Football beziehungsweise Eishockey oft an erster Stelle stehen, ist Mexiko eine absolute Fußballnation.
Wie sehr eine Heim-WM eine Nationalmannschaft tragen kann, zeigte Russland 2018 eindrucksvoll. Die Gastgeber scheiterten damals erst im Elfmeterschießen des Viertelfinals an Kroatien. Dass Russland überhaupt so weit kommen würde, hatte zuvor kaum jemand erwartet.
Bei Mexiko könnte es diesmal ähnlich laufen. Mit Südafrika, Südkorea und Tschechien haben die Nordamerikaner eine durchaus machbare Gruppe erwischt. Auch wenn es im Kader kaum internationale Superstars gibt, besteht die mexikanische Nationalmannschaft aus vielen soliden und erfahrenen Fußballern.
Mit Raúl Jiménez vom FC Fulham und Santiago Giménez von AC Milan verfügt Mexiko zudem über zwei Stürmer, die genau wissen, wo das Tor steht. Hinzu kommt Guillermo Ochoa, der – sofern er spielt – bei Weltmeisterschaften regelmäßig zum Welttorhüter mutiert.
Wenn Mexiko es schafft, die Euphorie der Heim-WM mitzunehmen, traue ich ihnen absolut zu, für einige Überraschungen sorgen zu können.
4. Elfenbeinküste
Auch wenn die Elfenbeinküste beim Afrika-Cup bereits im Viertelfinale ausgeschieden ist, sehe ich sie als potenziell stärkste Mannschaft des afrikanischen Kontinents.
Die Ivorer sind nahezu auf allen Positionen stark besetzt. Besonders die Bundesliga-Talente Yan Diomande und Bazoumana Touré könnten auch bei der WM zu echten Unterschiedsspielern werden.
Mit Amad von Manchester United, Simon Adingra von AS Monaco und Ange-Yoan Bonny von Inter Mailand ist die Offensive generell hervorragend aufgestellt. Im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Nationen verfügt die Elfenbeinküste zudem über eine stabile Defensive mit Ndicka, Koussounou und Singo. Auch das zentrale Mittelfeld ist qualitativ hochwertig besetzt.
In einer Gruppe mit Deutschland, Ecuador und Curaçao besitzen die Ivorer gute Chancen, als Zweit- oder sogar Drittplatzierter die K.-o.-Phase zu erreichen.
Auch in einem Sechzehntel- oder Achtelfinale sehe ich die Elfenbeinküste keineswegs chancenlos. Spieler wie Yan Diomande könnten europäischen und südamerikanischen Top-Nationen echte Probleme bereiten. Wenn die talentierten Einzelspieler als Mannschaft funktionieren, erscheint selbst ein Viertelfinale keineswegs ausgeschlossen.
3. Ecuador
Ein weiterer Gruppengegner der deutschen Nationalmannschaft besitzt in meinen Augen enormes Überraschungspotenzial.
Als Zweiter der südamerikanischen WM-Qualifikation ist Ecuador selbst für Deutschland keineswegs zu unterschätzen. Betrachtet man den Kader objektiv, verfügen die Südamerikaner womöglich sogar über eine der besten Defensiven des gesamten Turniers.
Mit Abwehrchef William Pacho und Piero Hincapié besteht die Innenverteidigung aus zwei Champions-League-Finalisten. Links daneben spielt Pervis Estupiñán von AC Milan. Im defensiven Mittelfeld sorgt zudem Moisés Caicedo vom FC Chelsea für Stabilität – mittlerweile zweifellos einer der besten Sechser der Welt.
Eine solche Defensive müssen selbst die Angreifer europäischer Top-Nationen erst einmal überwinden. In 18 WM-Qualifikationsspielen kassierte Ecuador gerade einmal sechs Gegentore – eine beeindruckende Bilanz.
Kurios: Neun dieser 18 Spiele endeten 0:0.
Die Schwächen liegen daher eher in der Offensive. Trotzdem verfügen die Südamerikaner mit dem 36-jährigen Enner Valencia über einen Stürmer, der seine Torgefahr bereits bei vergangenen Weltmeisterschaften unter Beweis gestellt hat und besonders in der Luft gefährlich ist.
Mit ihrer defensiven Stabilität und enormen Kopfballstärke bei Standards wird es weder für Deutschland noch für andere Nationen ein Selbstläufer, gegen Ecuador zu gewinnen. Ein Viertelfinale erscheint deshalb meiner Meinung nach sogar wahrscheinlicher als bei Mexiko oder der Elfenbeinküste.
2. Österreich
Schon bei der EM 2024 trauten viele Österreich eine große Überraschung zu, nachdem sich die Mannschaft als Gruppensieger gegen Frankreich und die Niederlande durchgesetzt hatte. Die 1:2-Niederlage gegen die Türkei im Achtelfinale stoppte den Höhenflug allerdings.
Die Qualität der Österreicher hat sich seitdem jedoch nochmals verbessert.
Mit Konrad Laimer und Christoph Baumgartner verfügt das Team über zwei absolute Leistungsträger. Dazu kommen erfahrene Spieler wie Marko Arnautović und David Alaba. Der restliche Kader besteht nahezu ausschließlich aus soliden Bundesliga-Spielern wie Marcel Sabitzer, Romano Schmid oder Xaver Schlager.
Hinzu kommt, dass Dortmunds Carney Chukwuemeka, der in Wien geboren wurde, inzwischen für Österreich spielberechtigt ist.
Mit 19 Punkten aus acht Spielen schloss Österreich die WM-Qualifikation als Gruppensieger ab und überzeugte zudem in Testspielen mit starken Mannschaftsleistungen.
Bei der Weltmeisterschaft trifft die Mannschaft in der Gruppenphase auf Argentinien, Algerien und Jordanien – ein Weiterkommen erscheint also durchaus realistisch.
Sollte die Mannschaft von Ralf Rangnick als Team funktionieren, halte ich auch Erfolge gegen auf dem Papier stärkere Gegner in der K.-o.-Phase für möglich. Ein Viertelfinale kann ich mir daher sehr gut vorstellen.
1. Norwegen
Nach 28 Jahren ohne WM-Teilnahme ist Norwegen erstmals wieder bei einer Weltmeisterschaft dabei – und womöglich sogar der größte Geheimfavorit des Turniers.
Mit 24 Punkten aus acht Qualifikationsspielen waren die Skandinavier neben England die einzige Mannschaft, die jedes Spiel gewinnen konnte.
Norwegen überzeugte dabei vor allem durch enorme Offensivqualität. Mit Erling Haaland verfügen sie über einen der drei besten Mittelstürmer der Welt. Neben ihm spielt Atlético-Stürmer Alexander Sørloth.
Auch Martin Ødegaard, Antonio Nusa oder Oscar Bobb besitzen das Potenzial, Spiele im Alleingang zu entscheiden.
Die Defensive besteht zwar aus weniger prominenten Namen, setzt sich jedoch dennoch aus Spielern zusammen, die in europäischen Top-Ligen aktiv sind – etwa Dortmunds Julian Ryerson. Hinzu kommen mehrere Akteure von Bodø/Glimt, die in der diesjährigen Champions-League-Saison bewiesen haben, dass sie auf internationalem Niveau bestehen können.
Festhalten lässt sich: Norwegens Angriff kann gegen jede Nation dieser Weltmeisterschaft Tore erzielen.
Wenn die Mannschaft – wie schon in der Qualifikation – als geschlossenes Team funktioniert und die Defensive stabil bleibt, ist Norwegen ein absolut ernstzunehmender Gegner, bei dem selbst ein WM-Halbfinale keineswegs ausgeschlossen erscheint.
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Österreich und Norwegen haben definitv Potential, ich wäre jedoch sehr überrascht, wenn einer von beiden Teams das Halbfinale tatsächlich erreichen würde.