Zweithöchster Sieg der Geschichte – ist Deutschland Titelkandidat?

Mit einem 7:1 gegen Neuling Curaçao startete die deutsche Nationalmannschaft phänomenal in die WM 2026. Beim letzten 7:1 – gegen Brasilien 2014 – wurde die DFB-Elf anschließend Weltmeister. Das gestrige Ergebnis lässt die ganze Nation träumen, dass sich die Geschichte wiederholt.


Ist die deutsche Nationalmannschaft nun ein ernst zu nehmender Titelkandidat?

Zunächst muss klargestellt werden: Eine niederländische Karibikinsel mit einem Kadermarktwert von 25 Millionen Euro ist kein Maßstab bei einer Weltmeisterschaft. Auch wenn sich Curaçao tapfer geschlagen hat und nach ihrem Ausgleich eine gute Phase im Spiel hatte, war ein deutlicher Sieg der Deutschen nötig – und am Ende auch absolut verdient.

In 80 Spielminuten war Deutschland die vollkommen dominante Mannschaft und hat die gesamte Nation endgültig in WM-Stimmung versetzt. Vor allem Dortmunds Felix Nmecha ging in der ersten Halbzeit voran, erzielte das 1:0, holte den wichtigen Elfmeter vor der Pause heraus und zeigte insgesamt eine überragende Leistung. Auch Jamal Musiala, den ich vor der WM noch mehrfach kritisiert habe, lieferte sein bislang bestes Spiel nach der Verletzung ab und erzielte das 4:1 kurz nach der Pause.

Mit Spielfreude, Leidenschaft und einer sehr guten Chancenverwertung hat die deutsche Nationalmannschaft definitiv ein Ausrufezeichen gesetzt: Sie will wieder ein Kandidat für den Titel sein.
Trotzdem hat der gestrige Abend drei Dinge gezeigt, die Deutschland auf dem Weg zum Weltmeister durchaus aufhalten können – und genau die machen für mich den eigentlichen Unterschied zwischen „starker Auftaktsieg” und „echter Titelkandidat” aus.

1. Der Ausgleich durch Curaçao

Bewusst habe ich vorhin geschrieben, dass Deutschland nur 80 Minuten lang die dominante Mannschaft war. Ein Fehler im Spielaufbau von Jonathan Tah in der 19. Minute leitete nämlich eine Phase ein, die die letzten Jahre widergespiegelt hat – und die auch in den kommenden Spielen zum Verhängnis werden könnte. Dieser eine Fehler führte dazu, dass die gesamte DFB-Elf kurzzeitig unkonzentriert war und nur zwei Minuten später den Ausgleich kassierte. Die Verunsicherung danach war deutlich zu spüren, Curaçao hatte sogar fast die Chance auf das 2:1. Zum Glück folgte direkt die Trinkpause der ersten Halbzeit, in der sich die Nationalelf wieder fangen konnte. Das Problem: Sollte eine solche Phase gegen einen stärkeren Gegner zu einem anderen Zeitpunkt im Spiel erneut auftreten, könnte sie das deutsche Spiel komplett aus der Balance bringen. Das ist für mich die wichtigste Lektion, die Deutschland aus diesem Spiel mitnehmen muss.

2. Sanés Rolle unter Nagelsmann

Bei allem Respekt vor Leroy Sanés Fußballkarriere – Deniz Undav muss in den kommenden Spielen den Vorzug erhalten. Sané, der 90 Minuten auf dem Platz stand, erhielt zwar die schlechteste Bewertung aller deutschen Spieler, seine Leistung war aber durchaus okay, und er sollte auch in den nächsten Partien eine Rolle spielen – allerdings eher als Joker. Undav stand nur eine halbe Stunde auf dem Platz und verzeichnete dabei ein Tor und zwei Vorlagen. Dass Nagelsmann dafür einen Havertz, der selbst zweimal getroffen hat, aus der Startelf nimmt, ist ausgeschlossen – jedoch könnte der Arsenal-Stürmer auf den rechten Flügel ausweichen. Gegen stärkere Gegner ist Sané in seiner aktuellen Form leider eher eine Schwächung der Startelf und sollte stattdessen von der Bank kommen.

3. Elfenbeinküste und Ecuador

Wer gestern noch etwas länger wach geblieben ist, um sich das Spiel der anderen Gruppengegner anzuschauen, hat ein fußballerisch hochwertiges Spiel erlebt. Durch ein Tor in der 89. Minute setzten sich die Ivorer zwar mit 1:0 durch, die Partie war jedoch absolut auf Augenhöhe – Ecuador traf allein dreimal das Aluminium. Besonders Leipzigs Yan Diomande, der unumstrittener Man of the Match wurde, wird die deutsche Abwehr nächste Woche so richtig auf die Probe stellen. Dann wird sich zeigen, wie titelreif die DFB-Elf wirklich ist.

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